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Medikamentenengpass???

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Vol 18.07.2019.JPG

Da es die Medikamentenengpässe, auf den Top Header bei vol.at geschafft haben, gebe ich gerne meinen Komentar dazu ab, da es mittlerweile Usus ist mit Nichtlieferfähigkeiten umzugehen, zu telefoieren, zu organisieren….

AKTUELL: Gerade vor 3 Minuten hatte ich ein Rezept für Vaginalzäpfchen bei Pilz – verschrieben waren Betaisodonna Supp – gibt es nicht mehr, weil Produktion eingestellt.
Mit dem gleichen Wirkstoff gibt es nix.
1. Ersatzmittel wären Candibene Supp – letzte Lieferung im Jänner 2019, seit damals nicht mehr lieferbar weder zu 100mg noch zu 200mg.
2. Ersatzmittel Canesten 0,1g zu 6 Stück – gibt es nicht mehr – Produktion eingestellt.
Ersatz wäre Canesten 0,5g 1 St ist aber für Patienten nicht geeignet.
Schlußendlich als Lösung mit Arzt Fluomycin Vag. Tbl gefunden.

Die ist nur ein Beispiel von sehr sehr vielen. In diesem Fall keine lebensbedrohende Erkrankung, etwas was man handeln kann. Aber es gibt auch andere Beispiele wo ich auch schon mal nach Feldkirch in die  Krankenhausapotheke gefahren bin um ein Arzneimittel auszuleihen, weil die Bestellung 1-2 Wochen dauerte.

 

Jedoch nun einmal zu obigen Artikel der Lieferungfähigkeiten bzw. Engpässe, die es anscheinend gar nicht wirklich gibt – und dennoch sind sie da – tagtäglich mehrmals. Oft kann es unkompliziert durch ein anderes Generikum (wirkstoffidentes Präparat) ausgetauscht, weil z.B. 20 Firmen die gleiche Tablette (Simvastatin, Atorvastatin,…) produzieren.

 

Die Thematik

ist leider sehr komplex und tatsächlich vorhanden. Tagtäglich werden Medikamenten nachtelefoniert, organisiert um etwas zu bekommen. Nun zu den Gründen warum etwas nicht lieferbar ist und die man ausbessern könnte wenn man wollte (nicht durch Österreich, sondern durch Europa)
1. Es wird der Wirkstoff mittlerweile nur noch in 1-2 Firmen produziert/synthetisiert, oftmals in China oder Indien – wenn da was falsch läuft (siehe Verunreinigung Valsartan) dann ist für 6-12 Monate nix lieferbar. Diese Lange Zeit erklärt sich daraus, dass 1. der Wirkstoff neu synthetisiert, geprüft, freigegeben, verarbeitet, geprüft, Tabletten produziert und wieder freigegeben werden muss. Dazu kommen noch logistischen Herausforderungen, die alles verlangsamen.
Die Lösung wäre, dass Pharmafirmen, die nachweislich selbst synthetisieren (und das in Europa z.B. Generikahersteller KRKA aus Slowenien), also den Wirkstoff selbst herstellen und daraus dann die Tablette oder das Arzneimittel machen, am Markt bevorzugt werden oder ganz extrem nur noch solche auf den Europäischen Markt vertrieben werden dürfen. Dies würde die Flut der Generika eindämmen, da Generikafirmen teilweise nur Postkastenfirmen sind, die bei anderen produzieren lassen.
2. Österreich ist ein kleines Land und in der globalen Verteilung extrem uninteressant, deshalb werden größere Märkte zuerst beliefert (z.B. Lieferte Bayer im Herbst 2018 Aspirin complex zuerst nach Deutschland, Frankreich,.. und Österreich wurde erst Anfang 2019 beliefert).
3. Österreich ist Arzneimittel betreffend ein Billigland, somit sind Hersteller mehr daran interessiert z.B. nach Deutschland oder sonst wohin zu liefern (Unterschiede im Einkauf über 100%). Der Unterschied zu den USA ist noch extremer. Beispiel Epipen als Notfallmedikament bei Bienen bzw. Wespenstichen kostet in Österreich 62,85€ in den USA kostet derselbe Pen über 600$ !!!!
Lösung würde darin bestehen, dass es einen Europaeinheitlichen Preis gibt.
4. Da 3. Österreich ein Billigland ist versuchen einige Systempartner Gewinn daraus zu schlagen und exportieren Medikamente ins teurere Ausland (ca 20-50% des Gewinns des Großhandels ist auf Exporte zurückzuführen).
Die Lösung wurde schon in Punkt 3 beschrieben.
5. Oft würde es das Medikament geben, ist aber von der Behörde noch nicht freigegeben. In diesen Fällen besteht eklatanter Handlungsbedarf, dass Kontrollen schneller durchgeführt werden müssen.
6. Kontingente – viele Arzneimittel sind kontingentiert. Das heist nur eine bestimmte Menge Packungen werden nach Österreich geliefert (irgendwie durch die Herstellerfirma kalkuliert – jedoch nicht ausreichend). So muss ich z.B. Paracodin Tropfen (Hustenmittel – wird v.a. im Winter gebraucht) im Sommer einkaufen und die Lager bis August füllen, da ich im Herbst nichts mehr oder zu wenig bekomme um meine Patienten vollständig im winter versorgen zu können.

 

Während ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich 4 Arzneimittel gegen ein anderes austauschen müssen und 2 mal direkt mit dem Arzt bzw. Krankenhaus telefonieren da etwas nicht eindeutig verordnet wurde oder nicht direkt ersetzt werden konnte.

 

 

 


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